Das Jedermannsrecht – Leben in der Natur

Hast Du schon einmal vom „Jedermannsrecht“ (norwegisch „allemannsretten“) gehört? In Norwegen ist es gesetzlich festgeschrieben, dass die „Erholung im Freien“ fester Bestandteil des Lebens ist. Dies bedeutet, dass Du mehr Freiheiten hast, was das Leben draußen angeht. Hierzu zählt auch, dass Du nicht verpflichtet bist auf einem Campingplatz oder in einer anderen zu bezahlenden Unterkunft zu übernachten. D.h. Du kannst in der freien Natur übernachten! Allerdings bedeutet das nicht, dass man tun und lassen kann, was man möchte. Denn um das Jedermannsrecht nutzen zu können und dürfen, müssen ein paar Regeln und Grundsätze befolgt werden. Manche davon sind aber ohnehin auch eine Selbstverständlichkeit. Außerdem gibt es noch weitere Länder, die nach diesem Grundsatz leben. In diesem Beitrag bringen wir Dir kurz und knackig die Regeln rund um das Jedermannsrecht in Norwegen näher und erwähnen auch andere Länder, die diesem Prinzip folgen.

Die Regeln des Jedermannsrechts in Norwegen

Aufgrund unserer persönlichen Erfahrung beziehen wir uns hier hauptsächlich auf die Regelungen, die in Norwegen für das Jedermannsrecht gelten. Im Grundsatz sind dies aber auch die Regeln, die in anderen Ländern eingehalten werden müssen. Wir schneiden später im Beitrag noch andere (europäische) Länder an, die das Jedermannsrecht in seinem Kern verfolgen.

Hinterlasse keinen Müll und nehme Deinen Abfall immer mit

Habe immer einen respektvollen Umgang mit Natur und Tier

Füge der Natur keinen Schaden zu

Halte Abstand zu bewohnten Häusern und Hütten

Hier muss ein Mindestabstand von 150 Metern eingehalten werden. Gleiches gilt auch zu anderen Autos oder Reisemobilen, d.h. Du musst auch dort den Abstand wahren (auf offiziellen Campingplätzen gilt dies natürlich nicht). In beliebten Gebieten wirst Du öfters auch entsprechende Beschilderungen sehen, dass das Campen im Freien nicht erlaubt ist.

Auf Rastplätzen oder privaten Grundstücken ist das Campen verboten

Zwischen Mitte April und Mitte September ist es nicht erlaubt offenes Feuer zu machen, wenn Du Dich in der Nähe eines Waldes befindest

Dies ist nur dort erlaubt, wo es offensichtlich kein Feuer verursachen kann und alles sicher ist (z.B. ausgewiesene Plätze oder direkt am Meer).

Wenn Du ein Lagerfeuer zünden darfst, gelten u.a. folgende Regeln:

  • Lasse das Feuer nie unbeaufsichtigt und stelle Wasser bereit
  • Das Feuer muss am Ende vollständig gelöscht und alles kalt sein, bevor Du gehst. Außerdem darfst Du nicht vergessen hinter Dir wieder aufzuräumen.

Mehr Informationen und Regelungen dazu gibt es auf der Seite der Norwegischen Umweltbehörde. Diese Seite ist auf norwegisch, lässt sich aber mit einem Übersetzer gut verstehen.

Nutzung des Jedermannsrechts in Norwegen direkt an einem ruhigen See
Katy und Edgar nutzen das Jedermannsrecht und bauen ihr Zelt auf einer Wiese auf.

Du darfst nie länger als zwei Tage am selben Ort bleiben

Es gibt hier jedoch Ausnahmen, denn wenn Du den Grundbesitzer fragst und er gibt sein Einverständnis, darfst Du länger bleiben. Gleiches gilt, wenn Du so abgelegen bist, dass weit und breit wirklich nichts ist und es die Umstände zulassen.

Angeln ist erlaubt

Ohne Angelschein darfst Du im Salzwasser angeln (nur für den privaten Verzehr). Für das Angeln im Süßwasser gelten z.B. verschärftere Regeln. Auch hier kannst Du Dich gut auf der Seite der Norwegischen Umweltbehörde informieren.

Es ist erlaubt Wildblumen, Beeren und Pilze zu pflücken und zu sammeln

Die in Norwegen wachsenden Moltebeeren unterliegen Sonderregelungen, die beachtet werden müssen. Wir selbst haben bisher keine Moltebeeren gesehen, weshalb wir kein Foto für Dich haben. Schaue am besten im Internet nach dem Aussehen der Beeren.

Der Grundsatz des Jedermannsrechts in anderen Ländern

Auch in anderen Ländern spielt das Jedermannsrecht oder zumindest eine Abwandlung dieses Grundsatzes eine Rolle. Um für Europa drei Beispiele zu nennen, gehen wir auf die Länder Finnland, Schweden und Schottland ein. Von den Regeln her gibt es vereinzelte Abweichungen zu denen, die für Norwegen gelten, aber im Grundsatz sind sie gleich. Auch im Campingparadies Neuseeland gibt es das „Freedom Camping“, die dem Jedermannsrecht ähneln, aber mit strengeren Voraussetzungen einhergehen (hier kommst Du zu unserer Neuseelandseite, falls Du Dich für das Reiseland interessierst). Wenn Dich die Reise in eine dieser Länder führt, erkundige Dich vorab noch einmal ausführlicher und mache Dich mit den dortigen Regeln vertraut.

Finnland und das "Jokamiehenoikeudet"

Wie auch in Norwegen ist das Jedermannsrecht in Finnland Tradition (dort nennen sie es „Jokamiehenoikeudet“), wenn auch nicht so strikt schriftlich geregelt, wie im Nachbarland. Aber große Unterschiede sind nicht zu erkennen. Hier gibt es allerdings strengere Auflagen und mit verschiedenen weiteren Gesetzen gibt es ein paar Grenzen, die Dir als Camper gesetzt werden. Mit einigen Ausnahmen ist ein Lagerfeuer im Freien beispielsweise verboten. Jedoch gibt es auf ausgewiesenen Plätzen die Möglichkeiten ein Feuer zu machen und oft steht auch kostenfreies Holz dafür bereit. Nimm daher immer Deinen Campingkocher* mit, denn dass Du ein Lagerfeuer dort machen kannst, wo Du gerade bist, ist nicht garantiert. Für mehr Informationen können wir Dir die Seite von Visitfinland ans Herz legen.

Das "allemansrätt" in Schweden

Auch in Schweden ist das Jedermannsrecht (dort „allemansrätt“) nicht in dieser exakten Form schriftlich festgehalten, wie es in Norwegen der Fall ist. Allerdings ist in einem der vier schwedischen Grundgesetze verankert, dass jedem der freie Zugang zur Natur zugesichert wird. Wie auch bereits in Finnland erwähnt, finden sich in anderen Gesetzen die Regelungen und Auflagen, die die Inanspruchnahme des Jedermannsrechts entsprechend regeln. Prinzipiell decken sich die Regelungen mit denen, die wir auch in Norwegen wiederfinden. Allerdings bezieht sich das Zelten in der Natur wirklich auf das Zelten und die Freiheiten beim Übernachten mit einem motorisierten Fahrzeug unterliegen mehr Beschränkungen.

Das Jedermannsrecht schließt in Schweden aber auch Freiheiten auf dem Wasser mit ein. So hast Du beispielsweise die Möglichkeit auch auf dem Wasser zu übernachten, indem Du Dir ein Boot ausleihst. Beachte immer, dass es in Nationalparks oder Naturschutzgebieten ggf. Verbote gibt, daher erkundige Dich vor Deiner Reise genauer darüber. Die schwedische Umweltschutzbehörde oder auch Visitsweden sind hier sehr informativ und werden mit den entsprechenden Regelungen weitaus konkreter, als wir es hier tun.

Der Scottish Outdoor Access Code in Schottland

In Schottland ist das Wildcampen im Scottish Outdoor Access Code festgeschrieben. Demnach ist Wildcampen fast überall erlaubt, aber natürlich gibt es auch hier Ausnahmen. Auch hier gilt beispielsweise keinen Müll zu hinterlassen oder dass Du Dich an die Richtlinien bezüglich eines Lagerfeuers hältst. Wohnmobile und Wohnwagen sollten nur an den dafür vorgesehenen Orten übernachten. Auf der Seite von Visitscotland gibt es gute Informationen, um Dich auf Deine Reise vorzubereiten.

"Freedom Camping" in Neuseeland

In Neuseeland gibt es das Jedermannsrecht in dieser Form zwar nicht, dennoch hast Du als Camper die Freiheit auch außerhalb eines Campingplatzes in der Natur zu übernachten. Hier sind die Regelungen jedoch deutlich strenger als beispielsweise in Norwegen. In erster Linie ist es wichtig zu wissen, dass Du die Freiheit des „Freedom Campings“ lediglich genießen kannst, wenn Du über ein Self-Contained Fahrzeug verfügst. Dies bedeutet, dass Dein Fahrzeug dafür ausgelegt und ausgestattet sein muss, dass Du damit als Selbstversorger unterwegs und nicht von äußeren Quellen abhängig bist. Hierzu zählt, dass Dein Camper ein Frischwasser- und Abwassertank hat und Du ebenfalls eine Toilette im Fahrzeug hast (ein Porta Potti genügt). Die meisten von uns werden wahrscheinlich in Neuseeland einen Camper mieten, daher achtet unbedingt darauf, dass der Camper als „Self-Contained“ zertifiziert ist, wenn Ihr auch mal das Freedom Camping nutzen möchtet.
Katy liegt im Camper am Lake Tekapo und schaut Richtung Wasser
Beleuchteter Innenraum des Campers, der im Dunkeln unter einem Sternenhimmel steht

Freedom Camping bedeutet nicht, dass man überall einfach schlafen darf

Wichtig zu wissen ist allerdings, dass man nicht einfach überall über Nacht stehen bleiben darf. Je nach Region kann es sogar strenge Kontrollen geben. Daher solltest Du darauf achten, dass Du nur auf Flächen übernachtest, wo es auch erlaubt ist. Die Plätze sind vor Ort entsprechend markiert oder es gibt offizielle Karten im Internet, die Dir die Plätze anzeigen. Ebenfalls können wir Dir die App Campermate ans Herz legen. Diese ist zwar nicht kostenfrei, hat aber dafür zuverlässige Infos, auf die wir bei unserer Reise durch Neuseeland immer gern zurückgegriffen haben.

Du möchtest nach Neuseeland reisen? Wir haben ausführliche und wichtige Infos für Dich rund um dieses schöne Reiseland.
Gelber Pfeil

Unsere Erfahrungen rund um das Jedermannsrecht in Norwegen

In Norwegen haben wir das Jedermannsrecht öfters genutzt, aber um ehrlich zu sein, hat es uns anfangs ein wenig Überwindung gekostet, weil wir Angst hatten irgendetwas falsch zu machen. Aber sind wir mal ehrlich? Was kannst Du falsch machen? Die Regeln sind klar definiert und wenn man die Augen auf hält, wird man das richtige Plätzchen für die Nacht finden. Wenn man die Regelungen beachtet, ist der Grundstein für eine tolle Nacht im Freien schon gelegt. Im Freien haben wir bisher unsere schönsten Nächte verbracht. Sei es allein an einem See aufzuwachen oder die unfassbar schönen und romantischen Sternenhimmel, die Du aufgrund der Abgeschiedenheit erlebst. Unsere Highlights bleiben jedoch einfach die Nordlichter, die man zwar auch auf Campingplätzen sehen kann, aber in der freien Natur mit nichts um Dich herum außer Dir selbst, sind sie einfach am intensivsten.
Foto von uns bei den Blue Mountains in Australien

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